Reviews
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Berlin! Berlin! Berlin!
Auch wenn man diese sechs Buchstaben nur angewidert tippen kann, man muss dem großen Hundeklo doch dankbar sein, für die musikalische Sozialisierung des Herrn Fox das urbane Hintergrundbild geliefert zu haben. Thematisch spielt Cölln die zentrale Rolle, was beim Titel "Stadtaffe" auch zwangsläufig sein dürfte: "In einer Stadt voller Affen bin ich der King, weil ich mit schiefer Grimasse für die Massen sing".
Recht so. Unter den gegebenen Umständen ist es auch absolut okay, in der eigenen Hood abzuposen. Was bleibt dem Seeed-Fronter und Knöpfchendreher auch anderes übrig? Schließlich sagte Cee-Lo Green erfolgsbedingt eine Zusammenarbeit vorerst einmal ab. So entfiel der Wunschkandidat für den Sängerposten. Aber selbst ist der Affe. So schustert sich Peter Fox eben doch ein Solo-Album zusammen.
Dass sich Fox aka Baigorry komplett vom Sound seiner Hauptband entfernt, war nicht anzunehmen. Und doch schleichen sich Elemente ein, die man so vom Dancehall-Elfer nicht kennt. "Alles Neu" dürfte – nicht zuletzt dank des launigen Videos – sattsam bekannt sein. Die Babelsberger Streichmusikanten geben dem Song einen spannenden Kick und rollen Fox einen samtenen roten Teppich aus. Hier macht sich exemplarisch schon die ausgeklügelte Produktion bemerkbar, die sich durchs komplette Album zieht. Der Versuchung, Bombast mittels Effekt-Overkill zu erzeugen, erliegt Fox zu keiner Zeit. Vielmehr sitzt alles an seinem Platz und pumpt – trotz reduzierter Instrumentierung – äußerst vorzüglich. Weiterlesen.
Stadtaffe Review von Beatblogger
Da ist es nun also: Peter Fox erstes Solo-Album. Bereits sein Kollege Boundzound bewies vor einigen Monaten, dass ein Seeed-Mitglied auch ganz gut ohne seine Kollegen auskommt. Nun ist Peter Fox aber auch DIE prägnante Stimme, die man mit Seeed verbindet. Wie sehr unterscheidet sich also sein erstes Solowerk „Stadtaffe“ von den Songs seiner Elf-Mann-Kombo? Die Antwort ist einfach: vollkommen und rein gar nicht.
Wie bei Seeed besitzen die meisten Songs einen wahnsinnig mitreißenden und tanzbaren Beat und erhalten eben vor allem durch Peters Stimme einen unab-ding-baren Seeed-Charakter. Jedoch fehlt vor allem durch das Hinzuziehen des Babelsberger Filmorchesters ein wenig der Raggae-/Dancehall-Touch der alten Seeed-Platten. Gerade hierdurch gelingt Peter Fox aber eine enorm atmosphärische Umsetzung der Songs. So kann man die Stücke oftmals nicht nur anhören, sondern sie beinahe fühlen. Sei es der gespürte Zug, in dem man sich bei „Lok auf 2 Beinen“ befindet, oder die herrlich düstere Atmosphäre bei „Das zweite Gesicht“, welches sich optimal für die herannahende Helloween-Zeit eignet. Genial ist in dieser Hinsicht auch der Song „Fieber“, in dem die krankhafte Hitze nur so zu stehen scheint und der sich textlich gelungen mit der nahenden Klimakatastrophe auseinander setzt. Des Weiteren werden auf „Stadtaffe“ auffallend häufig Vergleiche der Menschen mit Affen verwendet, vor allem natürlich im Titeltrack.
Ebenso spielen Steine, gerade bei der herzergreifenden Ballade „Ich Steine, Du Steine“ eine wichtige, geradezu literarische Rolle. Klar aber, dass auch bei Peter Fox Solo-Projekt das Thema „Berlin“ eine zentrale Rolle spielen muss. So steht die Stadt bei „Schwarz zu blau“ thematisch im Mittelpunkt. Weiterlesen.
Stadtaffe Review von irieites.de
Seeed macht Pause und schafft dadurch Raum für einzelne Bandmitglieder, eigene Ideen zu verwirklichen. Nachdem bereits Demba 2003 sein Soloalbum "Bound Club" als Appear vorgelegt hat und künstlerisch eher in die experimentelle Richtung unterwegs war, legt Pierre nun als Peter Fox sein gewaltiges Debüt vor. Und das startet gleich mit der Hammernummer "Alles Neu" und setzt Maßstäbe.
Ein wenig kommen dabei Parallelen zu Jan Delay in den Sinn, der beim letzten Album ja auch verkündete: "Reggae ist tot, jetzt ist Funk dran". Ein programmatisches Statement also, aber auch augezwinkernd unernst gemeint. Bei Peter Fox heißt es anders, nämlich: "Ich jag meine Bude hoch, alles was ich hab lass ich los - mein altes Leben schmeckt wie ein labbriger Toast".
Man darf nur Hoffen, dass damit sein vergangenes musikalisches Leben nicht beendet und die Pause von Seeed kein entgültiges Ende ist. Davon ist aber nicht auszugehen, denn im gesamten Album von Peter Fox taucht immer wieder eine große Portion Ironie auf. Doch zurück zu "Alles Neu": schon jetzt ein Meilenstein aktueller deutscher Popgeschichte, der mit einer interessanten Verbindung von harten Drum-Rhythmen und einem Filmorchester aufwartet. Ungewöhnlich und in keine Schublade einzuordnen, aber gewaltig und überzeugend. Ähnlich innovativ geht es beim gesamten Album zu. Weiterlesen.