Reviews
Reviews Tracy Chapman
Where Do You Live
Ist der Status zementiert, singt es sich ganz ungeniert! Diesem Motto folgten vergangene Woche die Rolling Stones, die auf "A Bigger Bang" gute alte Rock'n'Roll-Hausmannskost servieren. Jetzt tritt Tracy Chapman in ihre eigenen politisch und sozial engagierten Songwriter-Fußstapfen. Im Gegensatz zu den Stones hinterlässt sie mit ihrem neuen Album jedoch keine erkennbaren Spuren.
Mit akustischer Gitarre und gekonnter Melodieführung führt der Opener "Change" in ihre Welt aus empfindsamer Melancholie, trotzigem Aufbegehren und sensibler Reflexion. Die erste Singleauskopplung präsentiert sich locker-flockig-rockig. Ein klassischer Tracy Chapman, der beim ersten Hören überzeugt. Mit von der Partie: Red Hot Chili Peppers-Bassmann Flea, der dem Song einen sanften Tiefton-Druck verleiht. Gitarrist Joe Gore (Tom Waits, PJ Harvey, Eels) heizt dem Song dezent elektrisch ein. Produziert hat übrigens der hinlänglich bekannte Tchad Blake, der seine Qualitäten u.a. bei Peter Gabriel, Pearl Jam, Tom Waits, Bonnie Raitt, Elvis Costello und Los Lobos unter Beweis stellte. Weiterlesen.
Let It Rain
Nach der Best Of-Platte "The Collection" im vergangenen Jahr, die sich weltweit über sieben Millionen mal verkaufte, schenkt Tracy Chapman ihren zahlreichen Fans jetzt ein Dutzend neuer Songs. Back To The Roots lautet das Motto ihrer sechsten Soloscheibe, denn mit "Let It Rain" kehrt die afroamerikanische First Lady of Folk zu ihren Songwriter-Wurzeln zurück.
Wer jetzt kein Haus baut, baut sich keines mehr, wusste schon Rainer Maria Rilke, und so bietet Tracy ihren Hörern pünktlich zum Herbst den passenden Soundtrack für die trübsinnige Jahreszeit. Melancholisch-minimalistische Balladen dominieren über weite Strecken das Werk, und den John Cougar Mellencamp-Rock vom 2000er Album "Telling Stories" sucht man zum Glück vergebens. Nun stehen endlich wieder Chapmans grandiose Stimme und ihr zartes Spiel an der Akkustikgitarre im Vordergrund. Man fühlt sich zuweilen gar an ihr selbstbetiteltes Debut aus dem Jahre '88 erinnert, nur mit dem Unterschied, dass sich auf "Let It Rain" keine eingängigen Hits à la "Fast Car" oder "Baby Can I Hold You" befinden. Heuer ersetzen eher vorsichtige Soul-, Country- und Gospel-Sounds den damaligen Pop-Appeal. Weiterlesen.
The Collection
Ob Armut, ungleiche Behandlung der Geschlechter, Unterdrückung von Frauen oder Menschen dunkler Hautfarbe - Ende der 80er Jahre fanden diese sozialen Probleme und das verbundene menschliche Elend dank Tracy Chapman wieder eine Stimme. Zwar handelte es sich nicht um Themen, die davor unausgesprochen geblieben wären, schließlich spielten sie eine große Rolle in den Auseinandersetzungen der 60er und 70er Jahre; Chapman hat sie jedoch kraftvoll und eindringlich ins kollektive Gewissen zurück gebracht.
Zierlich und afro-amerikanisch spielte sie sich mit einfachen wie wirksamen Folk-Akkorden und einprägsamen wie poetischen Texten milionenfach und weltweit in die CD-Regale. Dass sie anschließend nach und nach immer mehr in Vegessenheit geraten ist, liegt nicht nur am Material, wie die Compilation "The Collection" beweist. Denn mit vier Liedern aus "Telling Stories" (2000) und drei aus "New Beginning" (1995) sind ihre letzten Alben ebenso stark vertreten wie ihre ersten und erfolgreichsten zwei ("Tracy Chapman", 1988 und "Crossroads", 1989). Zwar fehlen die großen Ohrwürmer, jedoch zeugt das neuere Material von der musikalischen Weiterentwicklung der Sängerin/Songwriterin. "The Promise" (1995) entpuppt sich dabei als einfühlsames geigen- und gitarrenbegleitetes Liebeslied, "Telling Stories" (2000) ist mit Hammond-Orgel, Ringo-Schlagzeug und E-Gitarrensolo sogar angerockt, "Smoke and Ashes" (1995) ist behutsam aufgebaut und bewegt sich mit seiner komplizierten Rhythmusgruppe in Richtung Jazz, während "Give Me One More Reason" (1995) stark bluesig klingt. Weiterlesen.
Telling Stories
Da ist es nun, das neue Album von Tracy Chapman, die in ihrer Vergangenheit schon so einige Scheiben an den Mann gebracht hat. Ihre bislang vier veröffentlichten Longplayer verkaufte sie insgesamt über 18 Millionen mal und sie heimste dabei auch noch vier Grammy-Awards ein.
Doch ist es in den letzten Jahren, wie in ihrer Musik, sehr ruhig um sie geworden. Wobei die letzten Platten auch nicht an ihre 1988 erschienene Debüt-LP "Tracy Chapman" anknüpfen konnten. Jetzt schlägt die Inkarnation der "Political Correctness" wieder zurück und es hört sich an wie immer. Viel Neues darf der Hörer wahrlich nicht verlangen, Experimente sind halt nicht die Sache von Tracy Chapman. Deshalb kann sich der treue Fan auch schon mal auf die Socken machen um sich die elf neuen (alten) Songs zu besorgen. Lieder die an ihre Hits wie "Fast Car" oder "Talkin 'bout a Revolution" rankommen, sind leider nicht zu hören. Einzig das auch als Single erhältliche "Telling Stories" und "Wedding Song" lassen das Können Chapmans durchblicken. Weiterlesen.